Samstag, Juli 19, 2003

Eine Antwort von KerLeone auf die These von Hardy.
Ein kulturwissenschaftlicher Kommentar noch zu der These vom Handwechsel zwischen Zuprosten und Anstoßen auf Deiner Seite:

Man ist in den Kulturwissenschaften früher oft versucht gewesen, Traditionen rationell zu erklären. Teilweise gehört diese Erklärungsweise in den Bereich des Funktionalismus Heute sehen es die meisten Wissenschaftler nicht so gerne, weil er Kultur auf etwas "Sinnvolles" verkürzt. Dabei kann die These zwar durchaus richtig sein, aber nur weil es eine rationelle Begründung ist, darf sie keinesfalls die einleuchtendste und daher wahrscheinlichste sein.

Viele Traditionen haben ihren Sinn verloren oder hatten nie einen. Das menschliche Leben ist und wird nie eines sein, das sich allein am Sinn ausrichtet. Und wenn, dann ändert sich das, was wir als "sinnvoll" bezeichnen sowieso, weil sich die Konzepte und Werte ändern.

Funktionalistisch war etwa die These, dass Kannibalen in Regionen leben, in denen Proteine knapp sind. Das kann nie eine ausreichende Erklärung für ein Verhalten sein. Kultur ist komplex, nicht mechanistisch.

Beim Zuprosten halte ich die obige These auch für unwahrscheinlich, weil das Verhalten gesellschaftlich eingefordert wird. Ginge es nur um die Erleichterung der eigenen Hand, würde daraus keine Sitte entstehen. eher im Gegenteil, man würde dann nicht absetzen, um nicht als Schwächling dazustehen. So wie nur ein Mädchen den Krug mit zwei Händen umfasst.

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