Sonntag, September 26, 2004

Das ist eine phantastische Erklärung. Wenn mir jetzt noch ein Historiker das belegen könnte....

"Hallo erst mal,

interessante Frage, die mir auch schon des öfteren begegnete, obwohl ich mich nicht zu den heftigen Trinkern zähle. Antworten habe ich auch schon viele gehört, allerdings kam keine der Wahrheit wirklich nahe, bis ich den Richtigen traf.

Damit nun das Rätseln ein Ende hat, will ich sie lösen:

Zunächst mal ist dieser Brauch wirklich schon sehr alt, und dass er unter den Seeleuten weit verbreitet ist, wie ein anderer Antworter bestätigte, macht tatsächlich Sinn.

Der Brauch stammt mindestens aus dem 17., wenn nicht sogar schon aus dem 16. Jahrhundert. Es war die Zeit der Schiffart, der Kolonialisierung und der großen Kriege. Die Herrscher in Europa führten erbitterte Auseinandersetzungen um die Vorherrschaft in verschiedenen Gebieten Europas und in den Kolonien.

Armeen und Schiffe mussten ausgerüstet werden. Der Bedarf an Menschen, die diese Aufgaben übernahmen, war sehr groß.

Ebenso groß aber war auch der Einfallsreichtum der Großen jener Welt, wie sie diese Massen akquirieren können. Es entwickelte sich eine ganze Branche, die sich nur um den Nachschub an menschlichem Material kümmerte. Werber, das Pendant unserer heutigen Drückerkolonnen, hatten die Aufgabe unter der Bevölkerung Truppen und Mannschaften zu rekrutieren.

Natürlich konnte man das eigene Volk nicht mit Gewalt an die Front zerren. Die neuen Männer wurden unter Vertrag genommen. Verträge und ein Rechtssystem das diese regelt gab es durchaus. Da die meisten jedoch nicht in der Lage waren zu Lesen und zu Schreiben wurden Verträge, auch solche zur Verpflichtung in den Militärdienst, meist per Handschlag oder ähnlichem besiegelt.

Natürlich spielte der Alkohol bei der Rekrutierung eine große Rolle, steigert er doch den Mut. Der Werber kam z. B. zu einem Dorffest, und erzählte vom Krieg. Natürlich waren das nur heldenhafte Geschichten von Ruhm und Ehre, oder dem angenehm faulen Leben in einer Nachschubeinheit, oder was auch immer gerade am meisten Erfolg versprach. Man trank Bier, verstand sich gut, träumte von der großen, weiten Welt und, schwupp, war das Angebot da. Man musste nur zugreifen. Noch mal überlegen? Der erste Sold wurde im Voraus bezahlt. Geld sofort? Hm! Und das alles spät in der Nacht und sturzbetrunken.

Nahm der Proband den Sold an, war der Vertrag geschlossen. Rechtsgültig. Nun war es üblich, dem Zukünftigen seinen ersten Sold in sein Getränk zu geben, trank er davon so hieß das, dass er das Gold angenommen hatte. Auch und vor allem in den Hafenkneipen der großen Hafenstädte war dies eine weitverbreitete und akzeptierte Methode um die Mannschaft eines gerade im Hafen liegenden Schiffes wieder aufzustocken.

Glas war zu dieser Zeit ein sehr seltenes und kostbares Material und selbstverständlich gab es in den Hafenkneipen und Wirtshäusern keine Gläser. Das Bier wurde aus Ton, oder bestenfalls aus Keramikkrügen getrunken. (Bei der Trübheit des Biers zur damaligen Zeit tat dies der Ästhetik ohnehin keinen großen Abbruch.)

So konnte man aber nicht sehen, ob sich im eigenen Getränk ein Goldstück befand. Die einzige Möglichkeit dies vor dem Austrinken des Kruges herauszufinden war, ihn ordentlich auf den Tisch zu knallen. Machte es ?kling?, konnte es sein, dass man schon nächste Woche in vorderster Reihe gegen die Franzosen marschierte, oder unter der glühenden indischen Sonne auf einem Kriegsschiff das Deck schrubbte.

Ich weiß dies übrigens von einem alten schwäbischen Seebären, der über dreißig Jahre auf See verbrachte, und mich beim Trampen auf dem Rückweg von Hamburg (wo er neu angeheuert hatte) nach Tübingen mitnahm.

Viel Spaß noch

schiwulski"


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